Nachhaltige Stadtplanung
- ein Handlungsfeld der Bildung für nachhaltige Entwicklung
Hilke Erler, Beraterin der Bildung für nachhaltige Entwicklung, Schulamt Frankfurt/O.
1. Stadt - Zentrum gesellschaftlichen Lebens und Handelns
Städte sind in Bezug auf nachhaltige also zukunftsfähige Entwicklung von großer Bedeutung, denn sie sind Zentren der Industrie, des Handwerks, des Dienstleistungsbereichs, der Bildung, Kultur und Verwaltung. In Städten stehen Leben, d.h. Arbeiten, Wohnen, Konsumieren, Bilden und Erholen im Mittelpunkt. Sie haben eine große Anziehungskraft.
Deshalb:
Bevölkerungszunahme in den Städten
Wobei es globale Unterschiede gibt. Leben in Industrieländern (wie den USA und Deutschland) zumeist mehr als 80% der Bevölkerung in Städten, so beträgt der Anteil der städtischen Bevölkerung in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern (wie Burkina Faso, Nepal) unter 15%. Zudem gibt es regionale Unterschiede und Unterschiede zwischen Stadtzentrum, -rand und halbstädtischen Bereichen.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland mit 13,3% (2009, Statistisches Bundesamt 2010) nimmt seit Jahren zu und das auf Kosten der landwirtschaftlichen Flächen. Urbanisierung in Deutschland zeigt sich quantitativ in den Verdichtungsräumen. Hier wächst die Bevölkerungszahl vor allem durch Migration und die Umverteilung von Bevölkerung innerhalb von Stadtregionen (Stadt und Umland). Qualitativ zeigt sich Urbanisierung in Deutschland durch räumliche Ausbreitung städtischer Sozial-, Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsformen (soziale Verstädterung). Damit einher gehen funktionale Veränderungen. Ursprünglich agrarwirtschaftlich geprägte Siedlungen haben heute mehr industrielle oder tertiäre Funktionen (Handel und Dienstleistungen)
In den letzten Jahren ist die Zuwachsrate der Siedlungs- und Verkehrsflächen gesunken (78 ha/Tag 2009 Statistisches Bundesamt). Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ist den Flächenverbrauch auf 30 ha pro Tag zu senken.
2. Stadt – Raum für Ressourcenschutz, denn energetische und stoffliche Ressourcen halten die Stadt am Leben. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Haushalte steigt, ist auch Umwelt- und Ressourcenschutz ein zentrales Thema einer nachhaltigen Stadt. Ein Haushalt braucht Strom und Wasser, produziert Müll und Abwasser. Die Personenzahl pro Haushalt sinkt durchschnittlich, aber es verändert sich nicht im gleichen Verhältnis der Energieverbrauch. Menschen in der Stadt müssen, wenn sie ihren Lebensraum langfristig sichern wollen, die natürlichen Ressourcen erhalten. Der technische Fortschritt, Wasserpreise usw. haben da schon Gutes geleistet. Aber auch das entsprechende Bewusstsein der Menschen ist wichtig.
3. Städte schrumpfen und Stadtkerne veröden.
Ein weiterer Ansatzpunkt für nachhaltige Stadtplanung ist, dass Städte Existenzprobleme haben. Unattraktive Stadtteile veröden, Wohnungen stehen leer, Stadtviertel sterben durch Überalterung der Städte (Verarmung, Vergreisung, Ghettobildung). So ergeben sich soziale Handlungsfelder, wie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Belebung der konjunkturschwachen Gebiete.
Erst in jüngerer Zeit wird mehr an die bewusste Belebung der Innenstädte gedacht.
Stadtökologische Handlungsfelder liegen im Bereich des Verkehrs, der Luftverschmutzung, der Wohnqualität, des Lärms und des Erholungswerts (Grünflächen, Kinderfreundlichkeit).
4. Partizipation als Potenzial für Nachhaltige Stadtentwicklung
Nachhaltige Entwicklung bedeutet der wechselseitige Prozess sozialer, ökonomischer und ökologischer Entwicklungen, der so gestaltet werden muss, dass nicht nur die Befriedigung gegenwärtiger Bedürfnisse, sondern auch die der zukünftigen Generationen gewährleistet ist. Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung am nachhaltigen Entwicklungsprozess der Kommunen liegen in der lokalen Agenda 21. Dabei tun sich runde Tische, Zukunftswerkstätten o.ä. noch relativ schwer. Andere Partizipationsmöglichkeiten sind zudem organisierte Mitarbeit in Parteien, kommunalen Gremien oder Bürgerinitiativen. Klassische demokratische Beteiligungsmöglichkeiten sind Wahlen, Bürgeranträge, -versammlungen, und Bürgerbefragungen. Wichtig ist der Kontakt zwischen Menschen und naturnaher Umwelt. Er wird als das Maß für Lebensqualität empfunden.
5. Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen?
Eine Stadt nachhaltig zu gestalten, bedeutet, sie als Lebensraum für die Menschen langfristig zu sichern. Dies ist aber nur möglich, wenn stadtökologische Ziele gleichrangig mit wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Interessen behandelt werden und das wiederum setzt die verantwortungsvolle Partizipation der Bürger und die Bereitschaft der Politiker zu nachhaltigem Handeln voraus. Stadtplaner müssen sich die Frage stellen, was Lebensqualität in der Stadt ausmacht. Ziele und Grundsätze müssen formuliert werden, die die Stadt zukunftsfähig machen. Für die nachhaltige Stadtentwicklung ergeben sich daraus grundlegende Handlungsprinzipien, die mit entsprechenden Instrumentarien umgesetzt werden müssen.
Die Stadt der Zukunft
…..ist eine Stadt der kurzen Wege.
…..ist eine verkehrsarme Stadt.
…..grenzt sich durch entsprechende Strukturen wieder vom Umland ab.
…..nutzt vorhandene Strukturen.
…..sieht Grün- und Freiflächen als stadtökologisch besonders wertvoll an.
…..plant Stadtumbau unter Einbeziehung der Bürger (Partizipation). 

7. Nachhaltige Stadtplanung als Thema in der Schule
Das Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist es, den Einzelnen Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, die es ihnen ermöglichen, aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft mit zu gestalten. In diesem Zusammenhang spielen ebenso emotionale wie auch handlungsbezogene Komponenten der Bildung eine entscheidende Rolle.
Bildung für nachhaltige Entwicklung entwickelt Gestaltungskompetenzen. Das sind die Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit denen man Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht-nachhaltiger Entwicklung erkennen kann. Das heißt, aus den jetzigen Problemanalysen, Schlussfolgerungen über ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen ziehen zu können und Entscheidungen treffen zu können, die nachhaltig sind.
Benannt werden 10 Teilkompetenzen, in denen die Schülerinnen und Schüler für die Zukunft ausgebildet werden sollen: 






Nachhaltige Stadtentwicklung zum Thema des Unterrichts oder von Projekten zu manchen, kann erreichen, dass die Schülerinnen und Schüler durch das direkte Erleben die Umwelt als ihren Lebensraum bewusst wahrnehmen, verstehen und sich an der Gestaltung beteiligen. Haben Schülerinnen und Schüler im Unterricht die Möglichkeit, sich mit Problemen, die ihr Wohnumfeld betreffen, zu beschäftigen, dann sind sie im allgemeinen hoch motiviert, denn sie können sich mit dem betrachteten Stadtgebiet und meist auch mit der Problematik identifizieren. Und nicht zuletzt öffnet sich die Schule und begreift sich als Teil der Stadt.
8. Praxisbeispiel
Städtebauliche Rahmenplanung Frankfurt (Oder) – Wir gestalten unseren unmittelbaren Lebensraum mit!
1. Ansatzpunkte:
- Stadtteil Nord Abriss- und Rückbaugebiet (Schulstandort)
- Inhaltliche Grundlage: Städtebauliche Rahmenplanung,
- Stadtteilkonferenz
- Umbau der Schule und Gelände und Öffnung für Bewohner
- Partizipation der Schüler bei Gestaltung des Schulumfeldes erwünscht
- Geographie, WAT: Bezug zum Rahmenlehrplan
- Naturwissenschaften: relativ freie Gestaltung möglich
- Erfahrungen mit ähnlichen Projekten vorhanden
2. Das Thema in Hinblick auf BNE:
- Thema Stadtplanung lokales Problem mit längerfristiger Bedeutung – Schwerpunktthema
der lokalen Agenda 21
- Partizipationsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler
- Gestaltungskompetenzen werden entwickelt
- Handlungsorientiertes und kooperatives Lernen möglich
3. Intentionen:
- Bewusstes Wahrnehmen der Wohnqualität und der Interessenskonflikte im Stadtteil
- Beteiligung an den Diskussionen über die Umgestaltung des Stadtteils und des
Schulumfeldes
- Handlungsorientierte Lernmöglichkeiten am originalen Ort
- Partizipation der Schülerinnen und Schüler durch aktive Mitgestaltung des Stadtteils und
des Erarbeitens von Problemlösungen
4. Inhaltliche Schwerpunkte:
- Nachhaltige Stadtkultur im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg
- Wie lebensfreundlich ist unser Stadtteil?
- Junges Wohnen – Chance für unbeliebte Kellerwohnungen
- Rettung der Pflanzen rund um die Abrisshäuser und Begrünung des Schulgeländes
- das Schulumfeld als stadtökologischer Erlebnisraum für Kinder
Rahmenbedingungen:
Kooperationspartner: Amt für Bauleitplanung, Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder); Stadtteilkonferenz Nord; Lokale Agenda 21 Arbeitsgruppe Stadtentwicklung
Organisationsform: Planung und Durchführung im Lehrerteam, genutzt wurde die reguläre Unterrichtszeit, Projekttage, Exkursionen, fächerübergreifend und –verbindend, besonders Geographie, WAT, Nawie, zeitl. Rahmen: zwei Jahre
Materielle Unterstützung: BLK-Programm „21“, „Transfer 21“
Beteiligte: Schülerinnen und Schüler der Klassen 8-10 und ein Lehrerteam
Fachinhalte und Kompetenzentwicklung am Beispiel Stadt der Zukunft 



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